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26. Okt 2009„We-Are-The-World“ für Winnenden – Wie eine Hymne gegen Hass und Gewalt entstand
Wir für Winnenden – „Wir geben niemals auf“
Die Idee, eine Art „We-Are-the-World“-Hymne für Winnenden zu machen, sie entwickelte sich anlässlich der Präsentation der Benefiz-CD „die Liebe bleibt“ am 21. September. Und zwei Personen haben maßgeblich Anteil daran: Hardy Schober, Vorsitzender des Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden und Ursula Winkler, TV-Redakteurin des SWR.
Beide haben in den Tagen, Wochen und Monaten nach dem 11. März Schlimmes, unfassbares und Leidvolles erlebt, erleben müssen – Hardy Schober, als Vater seiner beim Amoklauf erschossenen Tochter Jana, als vom Schicksal unmittelbar Betroffener. Ursula Winkler, als Berichterstatterin des SWR bereits am morgen des schrecklichen Unglücks vorort und in den Wochen danach ständig mit Berichten um und über Winnenden befasst. Beide sind oft an die Grenzen ihrer psychischen und physischen Belastbarkeit gestossen. Hardy Schober, der sein unsägliches Leid über den Verlust seiner Tochter in überbordende Aktion transponierte, als er als das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden und die Stiftung „Gegen Gewalt in Schulen“ gründete und zusammen mit einer Schar Unentwegter als Krieger des Guten gegen privaten Waffenbesitz und Killerspiele kämpft.

Ursula Winkler, die mehr als ein Dutzend Male das geschundene Winnenden besuchte, mit erschütterten Eltern, traumatisierten Schülern und Lehrern sprach, und auf viele Menschen traf, die mühsam versuchen, wieder Normalität in ihren Alltag einkehren zu lassen. Und die oft genug auch scheitern. Das Befassen mir diesen permanten Chroniken des Leids, die ständige Beschäftigung mit Bösem, Unverständlichem und Unfassbaren hatten der sonst so lebenslustigen und toughen Redakteurin zeitweise so zugesetzt, dass sie kurzzeitig damit liebäugelte, wegzuziehen aus dem Ländle. Zu fliehen vor all dem unsäglichen Leid.
Gut, jedoch dass Sie blieb. Denn was viele Worte nicht schafften, Musik, als Sprache der Seele brachte es fertig – zu heilen, zu trösten, zu motivieren.
Ursula Winkler konnte dies live erleben, an jenem 21. September. Konnte schon nachmittags bei den Proben im Studio als erstes spüren, was abends beim Finale der CD-Präsentation „…die liebe bleibt“ – die Menschen in Winnenden erfasste – ob Musiker, Medienschaffende oder Besucher. Spätestens als Brendan Keeley mit allen zusammen sein“ Heart and Soul“ anstimmte, kam es – das magisches Gänsehautgefühl, dem sich niemand entziehen konnte. Noch am Abend in den Nachrichten berichtete Ursula Winkler von jener positiven Macht der Musik. „Die Liebe bleibt – in Winnenden“. Die Fantastischen Vier haben in ihrem Beitrag für die Benefiz-CD, so trefflich die Begründung dafür: „Der Zauber der Musik…“, heisst es darin, “… gibt auch dir die Kraft“ , so heisst es in „Krieger“.
Diese Kraft, zu überleben also, die Kraft, weiterzukämpfen, die Kraft weiterzumachen – als „Krieger“ des Guten, sie mündete in jene Zeile, die jetzt den Refrain der deutschen Version von“Heart and Soul“ krönt: „Wir geben niemals auf“. Und weiter „Wir stehen wieder auf“. Musik, die motiviert.
Hardy Schober, unermüdlicher Antreiber des Aktionsbündnisses, war es, der die Rädchen in Gang gesetzt hatte gefordert: „Lass uns Brendans Hymne auf Deutsch singen – auf das unsere Botschaft alle Menschen im Land verstehen!“
Als Hans Derer, Produzent des CD – Samplers, überlegte, wen er mit dem Texten beauftragen sollte, half Gotthilf Fischer mit einem Hinweis: Er empfahl Brigitte Santos, eine Sängerin, Texterin und Mutter zweier Kinder aus Baden Baden. Fischer hatte bei einer Beerdigung eines Freundes überzeugt, als sie eine selbstgetextete deutsche Version des Elton-John-Songs „Can You Feel the Love Tonight“ sang.
Es war die richtige Entscheidung. Denn Brigitte fand, nach einem kurzen Briefing von Hardy Schober, nicht nur die genau richtgen Worte für dieses schwierige Thema – sie brachte auch gleich noch mehr Kompetenz mit ein – namentlich ihre 17-jährige Tochter Melissa als stimmgewaltige Soul-Chanteuse und ihren Lebensgefährten Carlo Parisel als Produzent. Carlo, ebenfalls Sänger und Musikmanager, hatte in den 90er Jahren zusammen mit Hans Derer in New York die erste CD der Harlem Gospel-Singers produziert. „Es war wirklich erstaunlich“, erinnert sich Hans Derer, „wie schnell und zugleich einfühlsam Brigitte in dieses Thema erarbeitete.“

Der irische Singer-Songwriter Brendan Keeley, bereits zur CD – Präsentation von Irland eingeflogen, stellte sein aufwendig in Dublin produziertes Musik-Playback zur Verfügung - Brigitte sang darauf ein kurzes Demo ein, das am 10. Oktober per Mail an alle Sänger des Albums geschickt wurde – und bereits am 17. Oktober traf sich die rund ein Dutzend Sänger inklusive Original-Producer Brendan Keeley im Schorndorfer Prisma Studios. Dort, wo auch bereits die Songs von Jule, Juli Pfarr und Petra Rennings aufgenommen wurde.
Doch „es begann wahrlich nicht vielversprechend“, erinnert sich Hans Derer. Alle waren auf 11.00 Uhr bestellt, pünktlich da – nur Brigitte, Carlo und seine drei Sänger fehlten – sie trudelten, aufgrund eines Unfalls auf der A5, erst mit eineinhalbstündiger Verspätung ein. Und dies obwohl die Stimmen noch nicht verteilt waren – eigentlich ein No Go ! Dementsprechend angespannt war zunächst die Atmosphäre. Doch dann ging es Schlag auf Schlag – während die einen ihren Part einsangen, übte Brigitte selbst die Stimmparts für die anderen ein. Brendan Keeley, dem Ire, gefiel es so gut, dass er es sich nicht nehmen liess, selbst eine Passage in Deutsch zu singen.
Am Montag drauf dann wurde abgemischt.
Gerd Mayer, Vater der getöteten Nina, war der erste, der den Titel fertig hörte. Er weinte. Vor Ergriffenheit.
„Dieser Titel“, so Gerd Mayer, „appelliert an die Gemeinsamkeit alljener, die Guten Willens sind!“ Und drückt aus sagt, was wir alle denken.
„Wir geben niemals auf !“ Im Kampf gegen Geleichgültigkeit, Hass und „Gewalt an Schulen“
Die dazugehörige Maxi-Single erscheint am 20. November bundesweit

1 Reaktion zu Hymne – Wir geben niemals auf
ursula winkler
15. Juni 2010 am 13:04
Liebe Freunde, habe eben erst entdeckt, dass da was über mich auf eurer Seite steht. Ja, ich war immer in Gedanken bei den Eltern in Winnenden, bei all den Menschen, die jemand verloren haben. Ich habe versucht für sie, fur uns alle, mit meinen Winnenden Fernseh Beiträgen hoffnungsvolle Botschaften in die Welt zu schicken – und deswegen hat mir die Idee mit dem Lied auch so gut gefallen. Aber wir können alle so viel singen wie wir wollen, so viel gute Texte für Fernsehen, Hörfunk und Fernsehen schreiben, achtsamer mit einander umgehen, alles tun, damit diese Welt wieder ein Stück weit besser wird – aber die Lieben, die ermordet wurden, machen wir nicht mehr lebendig. Und das ist traurig, klar. Dennoch: vielen Dank für die schönen persönlichen Worte auf eurer Seite:-)!
Alles Liebe und weiterhin viel Erfolg von Ursula!
SWR Fernsehen